2024 – Erfolgsmeldung aus Thailand: Junge Tiger werden wieder groß
Tiger zählen zu den beeindruckendsten Tieren unseres Planeten und gehören gleichzeitig zu den am stärksten gefährdeten Arten. Sie sind jedoch auch ein herausragendes Beispiel dafür, wie wirkungsvoll Schutzmaßnahmen sein können. Im Laufe eines Jahrhunderts sind die Bestände der Tiger um nahezu 97 Prozent gesunken – von etwa 100.000 Tigern auf einen Tiefststand von lediglich 3.200 Tieren weltweit im Jahr 2009. Dieser besorgniserregende Rückgang führte zu einer der umfassendsten und erfolgreichsten internationalen Initiativen in der Geschichte des Umweltschutzes. Heute sind die Tigerpopulationen nicht nur stabil, sondern haben sich in einigen Regionen sogar erheblich erholt!
Die Ergebnisse nach zehn Jahren kontinuierlichem Engagement durch grenzübergreifende Umweltschutzorganisationen, Regierungen und Menschen in Tigerländern weltweit sind beachtlich:
Heute gibt es wieder etwa 5.600 freilebende Tiger (Schätzung des Global Tiger Forum im Juli 2023), also etwa 75 Prozent mehr Tiere als noch 2009.
Mehr als 10.500 Hektar Lebensraum wurde wiederhergestellt und über 500.000 Bäume gepflanzt.
Über 10.000 Menschen wurden geschult, um Tiger und ihre Lebensräume zu schützen.
Insgesamt 44 Schutzgebiete mit einer Fläche von mehr als 69.000 Quadratkilometern wurden etabliert.
Mehr als 95.000 Menschen profitierten von der Entwicklung nachhaltiger Lebensgrundlagen.
Erfolgsmeldung aus Thailand: Junge Tiger werden wieder groß
Thailand ist das erste Land in Südostasien, in dem die Bestände wildlebender Tiger wieder wachsen! Pünktlich zum Welt-Tiger-Tag am 29. Juli 2024 konnte Thailand diesen Erfolg vermelden. Demnach verzeichnet das Land einen Anstieg der wildlebenden Tigerpopulation auf 179 bis 223 Tiere. Bei der letzten Zählung im Jahr 2022 waren es schätzungsweise nur 148 bis 189 Exemplare. Diese Zunahme bedeutet eine Trendwende für Tiger in Südostasien, denn die meisten Tigerpopulationen der Region sind rückläufig. In Kambodscha, Laos und Vietnam sind die Tiger in den vergangenen 25 Jahren bereits ausgestorben.
Erst kürzlich war eine Tigerin mit zwei Würfen von Jungtieren zum Symbol der Hoffnung für die jahrzehntelangen Schutzbemühungen in Thailand geworden: Kamerafallen dokumentierten 2023 drei Jungtiere, die sicher aufwuchsen und schließlich ihr eigenes Revier gründeten. Monate später wurde dieselbe Tigerin mit neuem Nachwuchs gesichtet. Noch vor einigen Jahren wäre das erfolgreiche Aufwachsen von zwei aufeinanderfolgenden, großen Würfen junger Tiger durch die immense Wilderei kaum möglich gewesen. MKF12 ist dabei nicht die einzige Tigerin, die 2024 mit Nachwuchs gesichtet wurde. Ein weiteres weibliches Tier (MKF15) konnte ebenfalls mit 3 Jungtieren aufgezeichnet werden.

Tigerin MKF12 mit 3 Jungtieren im Mai 2022 (links) und erneut mit 3 Jungtieren im Januar 2024 (rechts)
Tigerin MKF15 mit 3 Jungtieren im Januar 2024 (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)
Diese positive Entwicklung in unserem Projektgebiet ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Schutzbemühungen durch etwa 200 Wildhüter, die im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 16.000 km an Patrouillen in den Wäldern zurückgelegt haben. Zu ihren Hauptaufgaben zählt, gegen Wilderer vorzugehen, Graslandschaften und Salzleckstellen für die Tiere zu schaffen sowie Aufklärungsarbeiten in Schulen, Universitäten und den Gemeinden vor Ort durchzuführen, um Konflikte zwischen Tigern und Menschen zu minimieren. Dank ihres Einsatzes wurden auch im vergangenen Jahr weder Tiger noch ihre Beutetiere gewildert. Im Fokus der Wilderer stehen, wie auch in den Vorjahren, kleinere Säugetiere und Vögel.
Bilder von Wildhütern beim Training und bei ihrer Arbeit im Feld:




Wildhütertraining (Reihe 1), Wildhüter bei der Feldarbeit (Reihe 2), Errichten von Graslandschaften für Sambar-Hirsche (Reihe 3), Bau von Mineral- und Salzleckstellen (Reihe 3, links) und Anbringen von Kamerafallen an den Salzleckstellen (Reihe 4) (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)
Bilder von den Besuchern der Mineral- und Salzleckstellen, die die Wildhüter errichtet haben:




Die neu geschaffenen Mineral- und Salzleckstellen werden rege besucht. Am häufigsten sind dort Sambar-Hirsche anzutreffen (Reihe 1) gefolgt von Gaur, die größten lebenden Vertreter der Rinder (Reihe 2), Elefanten (Reihe 3, links), Muntjak (Reihe 4, links) und Wildschweinen (Reihe 4, rechts) (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)
Die Auswilderung der Sambar geht voran
Ein Tiger braucht nicht in erster Linie viele, sondern große Beutetiere. Findet er nicht genug Tiere mit einem Gewicht von mindestens 50 kg, so kostet ihn die Jagd auf Dauer mehr Energie, als ihm die Mahlzeiten liefern. Sambar erfüllen seine Ansprüche sehr gut, da männliche Exemplare dieser Hirschart bis zu 260 kg schwer werden. Da die Bestände in der Vergangenheit durch Wilderer stark dezimiert wurden, werden seit 2021 in den Nationalparks Mae Wong und Khlong Lan Sambar ausgewildert.
Im Juni wurden erneut 24 Sambar in die Schutzgebiete entlassen, damit sind es jetzt insgesamt 114 Tiere. 37 von ihnen erhielten Senderhalsbänder, damit wichtige Daten zu ihren Lebensgewohnheiten gesammelt werden können, wie etwa ihre bevorzugten Aufenthaltsorte, ihr Sozialverhalten und Daten zu ihrer Vermehrung. Die Halsbänder beeinträchtigen die Tiere nicht und fallen von alleine nach einigen Monaten ab.


Sambar kurz vor ihrer Freilassung in die Wälder (Bild 1 und 2) und nachdem sie in die Freiheit entlassen wurden (Bild 3 und 4) (© alle Bilder DNP & WWF Thailand)
Innerhalb der ersten 3 Monate nach ihrer Freilassung waren mehr als die Hälfte der Sambar, die mit Sendern ausgestattet waren, von Tigern, Leoparden und Rothunden gerissen worden. Eine Auswertung der Daten der Senderhalsbänder belegt, dass die Tiere besonders abends und nachts aktiv waren, was ihrem natürlichen Verhaltensmuster entspricht. Dies zeigt, dass in Gefangenschaft gezüchtete Sambar in freier Wildbahn schnell Verhaltensmuster annehmen, die denen ihrer wilden Verwandten ähneln.
Darüber hinaus wurde ebenfalls festgestellt, dass Sambar im Alter von zwei Jahren die beste Überlebenschance hatten. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Sambar in einem Zuchtzentrum aufgewachsen sind und keine Erfahrung mit dem Leben in der Wildnis hatten. Mit zunehmendem Alter nehmen ihre Überlebenschancen aber zu. Und nicht nur das: Vor kurzem erreichte uns die großartige Nachricht, dass zwei der 2022 und 2023 ausgewilderten Tiere jeweils Nachwuchs bekommen haben, ein wichtiges Kriterium für den Erfolg einer Auswilderung. Für die kommenden Jahre sind weitere Auswilderungen geplant. Um die Anzahl der auszuwildernden Tiere noch weiter zu steigern werden aktuell 6 Zuchtzentren beim Aufbau von Gehegen unterstützt und mit Futter für die Tiere versorgt. Zudem wurde eine Zusammenarbeit mit der thailändischen Behörde für Viehzucht und dem Zoo Thailand begonnen.
Studenten und Schüler: Die Zukunft des Tigerschutzes
Wie auch in den vergangenen Jahren waren Aufklärungskampagnen und Aktionstage an Universitäten, Schulen und in lokalen Dörfern ein wesentlicher Bestandteil unserer Tigerschutzmaßnahmen, da Tigerschutz nur dann nachhaltig erfolgreich sein wird, wenn er von allen Bewohnern getragen wird.
In mehreren Veranstaltungen an Schulen wurde 700 Schülern vermittelt, warum Tigerschutz letztendlich für alle Menschen wichtig ist. Tigerschutz bedeutet die Erhaltung großer Gebiete mit gesunden Wäldern, sauberer Luft und sauberem Wasser und Schutz der letzten intakten Ökosysteme unserer Erde.
Zudem fand dieses Jahr zum neunten Mal in Folge ein Training für 218 Studenten der Kasetsart University statt bei dem den künftigen Schutzgebietsverwalter:innen die Aufgaben und Verantwortung eines Wildhüters sowie das notwendige Wissen für den langfristigen Schutz von Wildtieren vermittelt wird. Dieses Training wurde inzwischen als fester Bestandteil in ihre Ausbildung an der Universität aufgenommen.

Zum Abschluss...
Die neuen Zahlen aus Thailand machen Hoffnung. Die Population der Tiger in Südostasien erholt sich kontinuierlich, so dass sich die Tiere wieder in Gebiete ausbreiten können, aus denen sie bereits verschwunden waren.